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Paulus und der Karneval

Superintendent Rolf Stahl

Von Superintendent Rolf Stahl
Evangelischer Kirchenkreis Koblenz

Auf den ersten Blick passt das gar nicht zusammen. Der strenge Apostel hatte es nicht so mit überschwänglicher Lebensfreude. Vom bunten Treiben seiner Zeit hielt er Abstand. Was das ausgelassene Feiern betraf, war er eher eine Spaßbremse. Trotzdem gehört er zu den Vätern und Müttern des Karneval, so wie wir ihn heute auch im Rheinland kennen und fröhlich feiern. Paulus ist der Urtyp eines christlichen Narren. In seinem zweiten Brief an die damalige Gemeinde in Korinth hat er das gut beschrieben. Dort machte er sich selbst zur Witzfigur. Er verfasste dazu seine berühmte Narrenrede und wählte damit eine Form, die den heutigen Büttenreden durchaus verwandt ist. Am Ende schrieb er: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.“

Paulus war klein, kränklich und alles andere als reich. Sein Temperament ging oft mit ihm durch. Seine Mitarbeiter hielten es nicht lange mit ihm aus. Er hatte deutlich mehr Schwächen vorzuweisen als Stärken. Wer sollte schon auf so einen wie ihn hören? Aber gerade er hatte etwas zu sagen und meldete sich zu Wort. In den Augen vieler seiner Zeitgenossen machte er sich damit nur lächerlich. Er ließ es darauf ankommen und war sich dafür nicht zu schade.

Manche Wahrheit nimmt man einem Narren leichter ab als einem strengen Moralapostel. Ohne diese Weisheit würde auch im Karneval von heute vieles nicht funktionieren. Paulus nutzte sie für seinen Auftrag. Er brachte das Evangelium unter die Menschen seiner Zeit. Seine Schwächen hinderten ihn daran nicht. Mit ihnen wusste er sich von Gott geliebt und gebraucht. Gott nimmt unsere Schwächen ernst und macht uns mit ihnen stark. Seit Paulus wissen wir, dass man sich um des Evangeliums willen getrost zum Narren machen kann. Wie er, sollten wir das nie auf Kosten anderer tun. Wir haben Grund genug, über uns selbst zu lachen.



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