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Impulse
Muttertag

Von Martin Pietsch
Evangelischer Klinikpfarrer im
Kemperhof und im Marienhof in Koblenz
Eigentlich haben es die Mütter so nicht verdient. Dem Muttertag fehlt die Leichtigkeit des „Vatertags“.
Neben der kommerziellen Vermarktung stört mich unfröhliche Erwartungs- bzw. Verpflichtungshaltung. Traditionell möchten oder sollen am zweiten Sonntag im Mai die kleinen wie großen Kinder ihren Müttern eine Freude machen, darunter sind viele „Kinder“, die längst die Midlife Krise hinter sich haben. Selbst manche bereits Großmutter gewordenen Mütter stehen am Muttertag in Erwartungshaltung. Eine junge Großmutter hört immer noch die jahrzehntealte Antwort ihrer Mutter auf die Frage, was sie sich zum Muttertag denn wünsche: Anständige Kinder! Unbedacht ist manches kränkende Wort gesagt und bleibt ein Leben lang in der Erinnerung. „Du sollst Vater und Mutter ehren“, heißt es im vierten Gebot. Nicht selten erlebe ich, wie sich ältere Patienten beklagen, dass ihre Kinder den Kontakt zu ihnen abgebrochen haben und sie darunter sehr leiden. Was dahinter steckt, bleibt unerwähnt. Waren manche Eltern zu streng, vielbeschäftigt, gedankenlos? Haben die Kinder gar gute Gründe, sich nicht mehr zu melden? Und sollen Kinder nicht zur Selbstständigkeit erzogen werden, um abgenabelt ihr eigenes Leben glücklich zu leben? Eigentlich schon. Glücklich können sich die Eltern schätzen, deren erwachsene „Kinder“ gerne Kontakt zu ihnen halten. Glücklich können sich die Kinder schätzen, die auch als Erwachsene gerne Kontakt zu ihren Eltern pflegen. Glücklich die Mütter, die sich auch über einen selbstgepflückten, duftenden Blumenstrauß, ein selbstgemaltes, farbenfrohes Bild oder einen selbstgemachten, leckeren Schokoladenpudding ihrer Kleinen freuen können und sie so wieder glücklich machen.
Ich rätsele noch, ob auf moderne Weise online bestellte Präsente die mütterliche Freude ähnlich groß werden lassen. Es kommt sicherlich auf den Einzelfall an.
Eine gelassene Haltung zu Muttertag wünscht
Martin Pietsch
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